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Propaganda

Propaganda, Tagespolitik

Der Neger frisst unsere Kinder und zündet unsere Dörfer an!

Hören kann ich es nicht mehr. Satt gefressene träge Deutsche haben wieder ein Feindbild gefunden. Es geht immer um den nächst Schwächeren. Oder auch um den Feind „da oben“. Weit genug weg. Verbale Fehltritte in diese Richtung kann man im Zweifel unter dem Deckmäntelchen der „Meinungsfreiheit“ rechtfertigen.

Wenn Menschen arabischer Herkunft zwei Transsexuelle mit Kieselsteinen bewerfen, wird bei Facebook die „versuchte Steinigung“ daraus. Weil das arabisch sprechende/verstehende Opfer gehört hat, wie ihm „man sollten euch steinigen“ hinterhergerufen wurde. Nein, das ist nicht in Ordnung. Es ist aber auch nicht in Ordnung, mit welch zweierlei Maß dieser Vorfall bewertet wird. Ein Volk, in dessen Wortschatz die Redewendung „bis zur Vergasung“ existiert, spricht plötzlich von „wehret den Anfängen“. Wo waren diese Moralapostel, als in den 1980er Jahren Mai für Mai Pflastersteine auf Polizisten geworfen wurden?

Das Sammelbecken diffuser Angst tritt nun seit mehreren Monaten auf Menschen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind. Die sich bei uns ein besseres Leben erhoffen. Wie damals, 1989 in der Prager Botschaft. Da waren auch schon Menschen, die sich ein besseres Leben erhofft haben. Ich habe sie mit Herzlichkeit empfangen. Mit einer neugierigen, interessierten und offenen Grundhaltung. Nicht, weil sie „Deutsche“ waren. Nicht, weil wir „ein Volk“ waren. Ich habe sie empfangen, weil ihr Wunsch legitim ist.

Menschen bewegen sich auf der Erde, seit sie laufen können. Sie roden, ernten, ziehen weiter. Sammeln und verteilen Wissen, Erfahrungen, Ideen. Und das ist gut so. Deshalb haben wir nämliche Teppiche in unseren Wohnungen, Pfeffer auf unserem Fleisch und können zum Schokoladenkuchen einen Kaffee oder Tee trinken.

Nur, weil ein Mensch anderen Glaubens ist und seine Augenbrauen zusammengewachsen sind, trägt er nicht automatisch einen Sprengstoffgürtel unter seiner Jacke. Nur, weil er aus einem afrikanischen Land kommt, ist er noch lange kein Neger, der aus dem Busch gekrabbelt ist. Auch er darf ein Mobiltelefon besitzen. Es steht uns nicht zu zu definieren, wann ein Mensch „ganz unten“ ist, sodass seine Flucht gerechtfertigt ist.

Aus der Geschichte lernen

Mein Junge nimmt gerade in der Schule durch, wie Christian Ernst die verfolgten Hugenotten mit zehn Jahre Steuerfreiheit, Baumaterial, Grundstücke für Betriebsgründungen und der Errichtung eines Religionshauses lockte, damit sie sich in Erlangen ansiedeln.
Das war keine „Willkommenskultur“. Da hat jemand schlicht die Chance gewittert, mit der Fähigkeit und Handfertigkeit des Fremden wirtschaftlich zu erstarken, sich weiter zu entwickeln. So, wie das seit Menschengedenken funktioniert.

Ich wünsche mir, dass wir anfangen in den Menschen, die zu uns flüchten, weil wir mit unserer Habgier deren Peiniger jahrzehntelang gestärkt haben, den Menschen zu sehen.
Wir müssen keine Angst haben, dass der Neger unsere Kinder frisst und danach unser Dorf anzündet. Das sind zivilisierte Menschen, die einfach nur in einem anderen Kulturkreis aufgewachsen sind. So, wie das PEGIDA-Volk in Sachsen auch in einem anderen Kulturkreis aufgewachsen ist. Wir haben eine Verantwortung. Alle Menschen sind gleich. Und ich möchte den Flüchtlingen gerne unsere Kultur nahebringen. Hoffentlich denken sie nicht, dass wir alle so sind wie das PEGIDA-Empfangskomitee.

Und nein – ich sehe mich nicht als ‚Gutmensch’ oder Moralapostel. Ich will nur verhindern, dass wir vor lauter Beklagen unserer Situation vergessen, dass nur wir es sind, die diese ändern können: Seehofer, Gabriel und Schäuble hinterfragen. Politische Eintagsfliegen und Propagandamedien erkennen und bewerten. Informieren, mitreden, zuhören, wählen gehen, anpacken.

Wir sind das Volk.

(Quelle Artikelbild: Wikipedia)

Ministerium für Staatssicherheit
Allgemein, Propaganda, Stammtischpolitik, Tagespolitik, Werte schaffen

Ein Beitrag zur Vorratsdatenspeicherung

Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?

Dass Sigmar Gabriel die Standhaftigkeit eines Sandhaufens in der Wüste hat, hat er uns ja mehrfach eindrucksvoll bewiesen. Zum Thema Vorratsdatenspeicherung zeigt er, dass er auch noch inkompetent ist und Absurdes öffentlich von sich gibt. Das kann auch bis zu frei erfundenen Pro-Argumenten führen (vgl. die Behauptung, dass Breivik nur Dank Vorratsdatenspeicherung gefasst werden konnte. Zum Tatzeitpunkt des Anschlages gab es in Norwegen keine Vorratsdatenspeicherung). Oder die NSU-Morde: sie hätten mit VDS verhindert werden können. Welch peinlicher Blödsinn.

Sigi, was ist heute meine Meinung?

Dass Justizminister Heiko Maas Gabriel nach seiner Tagesmeinung fragt, wissen wir auch mittlerweile. Wir erinnern uns alle an den Maas-Tweet „#VDS lehne ich entschieden ab – verstößt gg Recht auf Privatheit u Datenschutz.“ vom 15.12.2014.

Der Staat bespitzelt seine Bürger

Es ist völlig egal, welche Inhalte irgendwelche Gespräche haben. Das haben wir u.a. dank Malte Spitz eindrucksvoll bewiesen bekommen (vergl. http://www.zeit.de/datenschutz/malte-spitz-vorratsdaten): es reicht völlig aus – Geodaten, Telefon- und Internetverbindungen, ein Mapping mit Aktivitäten im Social Media – und schon kann man sich ein sehr genaues Bild machen. Dass Richter die Nutzung der gewonnenen Daten genehmigen müssen, ist auch kein wirkliches Hindernis: lehnt ein überlasteter Richter die Freigabe der Daten ab, muss er eine Begründung schreiben. Stimmt er zu, muss er nur unterschreiben. Der Richtervorbehalt ist somit im Regelfall kein echter Schutz gegen Missbrauch der Überwachung z.B. durch Privatunternehmen (Musikindustrie u.a.).

Auf einmal geht es schnell

Dass das Stasi-Gesetz in der Flüchtlingsdebatte durch den Bundestag geradezu lautlos verabschiedet wird, hat meiner Meinung nach System. Was mich jedoch am meisten bekümmert ist die Tatsache, dass es niemanden interessiert, dass jeder von uns ab jetzt offiziell zum Kreis der Verdächtigen gehört. Haben wir uns in den 1980er-Jahren noch über die Überwachungsmethoden der Stasi echauffiert, ist es uns heute wichtiger, über Pegida & Co. mit allen uns zur Verfügung stehenden Kraftausdrücken zu schimpfen, anstatt die staatliche Beschneidung unserer Freiheit zu bekämpfen. Pegida macht es uns vor: ein paar Tausend reicht völlig aus, um etwas zu bewegen.

Was läuft schief?

Ich denke, die Überwachung ist für den Einzelnen so lange abstrakt, bis er selbst zum Opfer wird. Das ist ein wenig so wie bei Krebs oder Aids: wenn es plötzlich in unserem Umfeld auftaucht, werden wir nervös. Dann ist es vielleicht schon zu spät.  Und: es ist Politik! Der verschließen wir uns gerne. Meist mit dem Argument „die machen doch nach der Wahl sowieso was sie wollen!“ oder auch „Wir haben doch garkeine Wahl mehr“. Zugegeben, Gabriel und Maas demontieren machthungrig die SPD in ihren Grundwerten, die Grünen sind auch nur noch Farb-Namensgeber für Ökologisches. Da wird die Wahl wirklich nicht leichter. Wahlbeteiligungen von knapp 40% haben auch nichts mehr mit Volkes Meinung zutun. Es wird also eng.

Das zweite Problem: wir sind ein Volk der Verdränger! Gerne verdrängen wir, worüber wir uns bis zur medialen Übersättigung aufregen. In dem Zuge fällt mir ein: Was wurde eigentlich aus dem „Erlanger Baby“? Vergessen? Lesen Sie hier. Wie läuft es eigentlich in Sochi? Wie geht es eigentlich Südafrika nach der WM? Wie ist das mit dem Hartz IV? Hat man da sein Ziel erreicht? Ich denke nicht. Wir haben am Ende einer Zwei-Klassen-Gesellschaft einen Namen gegeben. Was Westerwelle daraus gemacht hat, ist ein anderes Thema. Es sind einfach zu viele Kanäle, zu viele Themen – es geht alles irgendwie so schnell heute. Wir verdrängen und vergessen, stolpern von einem Aufreger zum Anderen. Und wenn dann die Wahl kommt, spalten wir uns in „Protest-Nicht-Wähler“, „Traditionswähler“ und „Das Wetter ist schön, ich geh heute mal nicht wählen“ und ein paar Wählern, die den etablierten Parteien zur Gefähr werden, weil sie Koalitionskonstrukte herbeizwingen, die keiner will. Gut. Es gibt natürlich auch noch echte Wähler. Ein paar. Aber: so ändert sich halt auch nichts.

Das dritte Problem: wir sind eine Generation des Self-Trackings: willig geben wir unsere Daten via Strava, Facebook, Foursqare, Health-App & Co. in die Öffentlichkeit. Es ist einfach ein Leichtes, diese wieder einzusammeln und zu verwerten. Das vergessen wir nur all zu schnell. Bis irgendwann ein Skandal auftaucht, weil eine Versicherung vielleicht Daten einer Tracking-App nutzt, um die Beitragssätze zu korrigieren oder ihre Versicherten zu profilieren. Aber ich bin mir sicher: darüber regen wir uns dann nur kurz auf.

Und was machen wir jetzt?

Wir sind mündige Bürger. Wir haben kein Wahlrecht, wir haben eine moralische Wahlpflicht! Was wir seit vielen Jahrzehnten haben und immer weniger zur Gestaltung unseres Landes nutzen, ist das höchste Gut der Demokratie. Vergessen wir nicht, dass andere Menschen mit ihrem Leben bezahlen, um genau dieses Recht der freien Wahl zu erkämpfen! Wir haben die Möglichkeit, uns zu informieren. Was machen unsere Abgeordneten? Sehen Sie hier. Diskutieren Sie mit. Wie? Sehen Sie hier. Welcher Abgeordnete hält Wort, wer nicht? Sehen Sie hier. Und sagen Sie nicht, Sie hätten es nicht gewusst…

 

 

 

Propaganda, Stammtischpolitik, Tagespolitik

Fakten in Sachen Flüchtlingskrise

Erschütternde Fakten

Das Münchener IT-Unternehmen „In a Nutshell – Kurzgesagt“ hat die aktuelle Flüchtlingssituation – auch Flüchtlingskrise genannt – in sechs aufschlussreichen Minuten visualisiert und verständlich erklärt. Es sind vor allem Zahlen. Zahlen machen so viele komplex wirkende Themen so klar. Erschütternd klar. Nimm Dir die sechs Minuten Zeit und schau Dir das Video mal an.


Beitragsbild: Screenshot von der kurzgesagt.org-Website

Alltagsbericht, Arbeit, Propaganda

YES! Heute wieder Newsletter abbestellt!

Und wieder eine bunte HTML-Mail mit großen Bildern, noch größeren Buchstaben und noooch größeren Angeboten. Und das mehrmals am Tag. Gut, es könnte natürlich sein, dass ich mal einen Newsletter bestellt habe, um meine Warenbestellung um fünf Euro zu reduzieren. Oder dass ich mit allen E-Mail-Adressen die ich habe, an einer Verlosung teilgenommen habe: Alle Newsletter-Leser nehmen an der Verslosung dieses tollen Kraftwagen teil. Oder so ähnlich. Also wahrscheinlich bin ich ein wenig selbst schuld. Aber nur ein wenig! Weil: Viagra und Granu Fink landen wahrscheinlich nur aus statistischen Gründen in meinem Postfach.

Newsletter abbestellen

Das traut man sich ja nicht immer. Die Gefahr, dass genau dieser Button lediglich der Validierung einer E-Mail-Adresse dienen könnte, schwirrt ja immer im Kopf mit herum. Vor allem, wenn man auf mittel-osteuropäische Seiten mit denglischen Inhalten dadurch landet. Aber ich war mutig: ich habe es getan! Heute genau dreiunddreißig Mal.

Feedback unerwünscht

Spannend bei der ganzen Klickerei war für mich die Frage, ob es (bei den seriösen Newslettern) irgendjemanden interessiert, warum ich mich abmelde. Außer der Information, dass meine E-Mail-Adresse nun erfolgreich ausgetragen sei und es eventuell bis zu zehn Tagen Tagen dauert, bis ich keine Mail mehr bekomme, leider nichts. Schade. Mich würde es interessieren, warum ein potentieller Kunde keine Nachrichten und Produktinformationen von mir haben will.

Weniger „Pling!“

Aber jetzt freue ich mich erstmal darüber, dass ich weniger Outlook-Pling in den kommenden Wochen hören werde. Das ist schön. Bis ich wieder einen „hier abbestellen“-Aktionstag habe.

Volker Bouffier über das Flüchtlings-Taschengeld
Propaganda, Stammtischpolitik

Volker Bouffier: Flüchtlings-Taschengeld

Foto: Alexander Kurz, Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Foto: Alexander Kurz, Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Aussage Volker Bouffier (CDU) zum Flüchtlings-Taschengeld

„Wenn Flüchtlinge aus Albanien hier 150 € Taschengeld kriegen, und zuhause bekommen sie als Lehrer vielleicht 50 €, dann ist die Überlegung: Wenn ich hier auch nur drei, vier, fünf Monate bleiben kann, habe ich mehr Geld verdient, als in zwei oder drei Jahren zuhause.“

Fakt

Ein Lehrer verdient in Albanien umgerechnet mindestens 300 € monatlich. Das liegt deutlich über dem Durchschnittsgehalt im Land.

Propaganda des hessischen Ministerpräsidenten

Mit solchen unreflektierten Aussagen fischt Volker Bouffier (Ministerpräsident des Landes Hessen) im rechten Lager und liefert damit orientierungslosen Pegida-Anhängern Propaganda-Material statt politische Lösungen und Konzepte. Gemeinsam mit Horst Seehofer, der ein Bild des Schreckens in Sachen Asylsuchender in Bayern zeichnet, ist er geistiger Brandstifter des politisch getriebenen Rassismus in Deutschland. Ich habe ein Problem damit, dass solche Brandstifter ein „C“ für „Christlich“ in ihrem Parteinamen tragen. Ich wünschte mir Handeln im Sinne christlicher Nächstenliebe.

Aber das ist wohl verklärte Politik-Romantik. So bleibt mir nur der Aufruf, das kleine Gewicht der eigenen Stimme sorgfältig einzusetzen und mit Bewusstsein das nächste Kreuz zu zeichnen. Die aktuellen Wahltermine in Deutschland findet man hier. Aber auch zwischen den Wahlen können wir uns im Alltag mit Richtigstellungen im Gespräch, einer klaren eigenen Meinung und mit eigenem Engagement (Geld- und Sachspenden, Ehrenamt) von Politikern dieser Couleur aktiv distanzieren.

Quellenhinweise:
Quelle „Zitat und Fakt“: hr-INFO, 28.07.2015
Bild „Euroscheine“: Q.pictures  / pixelio.de
Bild „Volker Bouffier“: Alexander Kurz, Lizenz: CC-BY-SA-3.0